80/20-Start ins PIM: Minimalmodell und 20 Umsatz-Attribute
Starten Sie Ihr PIM schlank: Minimal-Datenmodell plus 20 Attribute, die Suche, Conversion und Warenkorb in Shop und Marktplätzen spürbar verbessern.
Wer ein PIM einführt, hat oft zwei Extreme vor Augen: Entweder ein “Big Bang” mit vollständigem Datenmodell, 400 Attributen und monatelangem Mapping – oder ein zu kleiner Start, der im Tagesgeschäft versandet. Der bessere Weg liegt dazwischen: ein 80/20-Start, der bewusst auf ein Minimal-Datenmodell setzt und 20 Attribute priorisiert, die in Ihren wichtigsten Kanälen (Shop, Marktplätze, B2B-Portal, Print, Datenfeeds) sofort Umsatzhebel bewegen.
Dabei geht es nicht um “20 magische Felder, die immer passen”. Es geht um einen pragmatischen Kern: Attribute, die Auffindbarkeit, Vergleichbarkeit, Vertrauen, Kaufentscheidung und After-Sales direkt beeinflussen – und damit schnell messbare Effekte auf Conversion, Retouren, Supportaufwand und Cross-Selling erzeugen.
Warum 80/20 beim PIM so gut funktioniert
In den ersten Wochen Ihrer PIM-Reise entscheidet sich, ob Akzeptanz entsteht. Und Akzeptanz entsteht nicht durch perfekte Datenmodelle – sondern durch sichtbare Ergebnisse:
- Bessere Onsite-Suche & Filter → mehr passende Treffer, weniger Absprünge
- Höhere Conversion → weniger Kaufabbrüche durch fehlende Informationen
- Weniger Retouren → weniger Missverständnisse bei Maß, Kompatibilität, Material
- Mehr Sichtbarkeit in Marktplätzen → bessere Listung, weniger Listing-Fehler
- Schnellere Content-Produktion → weniger manuelle Pflege in Excel & CMS
Ein PIM ist ein Betriebssystem für Produktdaten. Starten Sie mit einem stabilen “Kernel” – und erweitern Sie iterativ.
Das Minimal-Datenmodell: Der schlanke Kern, der trägt
Ein Minimal-Datenmodell muss zwei Dinge leisten: Varianten sauber abbilden und Content kanalbereit ausgeben. Mehr nicht – für den Start.
1) Die Pflicht-Objekte (MVP)
Produkt (Parent / Modell)
- beschreibt die Produktfamilie (z. B. “Sneaker Modell X”)
Variante (SKU)
- konkret kaufbar (z. B. Größe 42, Farbe Schwarz)
Kategorie / Taxonomie
- steuert Filter, Pflichtattribute, Templates
Medien-Asset (oft via DAM oder minimal im PIM referenziert)
- Bilder, Datenblätter, Videos, Zertifikate
Beziehungstypen (Relations)
- Ersatzteil → Hauptprodukt
- Zubehör → Hauptprodukt
- Cross-/Upsell-Set
Kanal-Output (Feeding / Export-Profile)
- Shop
- Marktplätze
- B2B-Katalog / Print
- Datenfeeds (z. B. Google/Meta/Preisvergleich)
2) Drei Prinzipien, die Sie nicht verhandeln sollten
Prinzip A: Variantenlogik zuerst
Wenn SKU-Logik wackelt (Größe, Farbe, Packungseinheit, Leistung), wird alles teuer: Preise, Lager, Bilder, Kompatibilität.
Prinzip B: Attribut-Gruppen nach Zweck
- “Finden” (Suche/Filter)
- “Verstehen” (Beschreibung/Features)
- “Vertrauen” (Belege, Normen, Sicherheit)
- “Kaufen” (Preis/Verfügbarkeit/Logistik)
Prinzip C: Ein Feld – eine Bedeutung
Keine Mehrfachbelegung à la “Maße” als Freitext. Maße gehören strukturiert: Länge/Breite/Höhe + Einheit.
Die 20 Attribute, die am schnellsten Umsatz bewegen
Die Liste ist bewusst kanal- und conversion-orientiert. Je nach Sortiment ergänzen Sie später branchenspezifische Felder (z. B. Lebensmittel-Allergene, Elektro-Energielabel, Chemie-Sicherheitsdaten).
A) Auffindbarkeit & Navigation (1–6)
- Produktname (kanaloptimiert)
Kurz, eindeutig, mit den wichtigsten Unterscheidern (Marke + Modell + Kerneigenschaft + Variante). - Marke
Ein Filter- und Vertrauensanker – und häufig Pflichtfeld für Marktplätze. - Kategorie (interne Taxonomie + Mapping)
Ihre interne Struktur plus Export-Mapping zu Shop/Marktplatzkategorien. - Produkttyp / Produkttaxonomie-Label
Ein standardisiertes Label (z. B. “Akku-Bohrschrauber”, “Rundhals-T-Shirt”), das Filterlogik und Templates stabilisiert. - Keywords / Suchbegriffe (Synonyme)
Das unterschätzte Umsatzfeld: Umgangssprache, Abkürzungen, alternative Schreibweisen. - Wesentliche Filterattribute pro Kategorie (Top 3)
Nicht “alles”, sondern pro Kategorie die drei wichtigsten Filter (z. B. bei Schuhen: Größe, Farbe, Zielgruppe; bei Schrauben: Durchmesser, Länge, Antrieb).
Praxisregel: Wenn Sie im Shop 12 Filter anbieten, aber nur 3 sauber gepflegt sind, verlieren Sie trotzdem Umsatz.
B) Kaufentscheidung & Conversion (7–13)
- Kurzbeschreibung (benefitorientiert)
2–3 Sätze: Nutzen, Zielgruppe, wichtigste Differenzierung. Ideal für Listenansichten und Marktplätze. - Langbeschreibung (strukturierter Fließtext)
Keine Textwüste. Besser: Absätze + Bullet Points + klare Claims, die Sie belegen können. - USPs / Bullet Features (3–7 Punkte)
Für “Scan-Leser”: Was macht das Produkt besser/anders? (z. B. “IP67”, “Made in EU”, “2 Jahre Garantie”, “Werkzeugloser Wechsel”.) - Material / Zusammensetzung
Kaufentscheidend (Qualität, Pflege, Nachhaltigkeit), und oft Rücksende-Treiber bei Unklarheit. - Farbe (standardisiert)
Nicht 37 Varianten von “Schwarz”. Arbeiten Sie mit kontrollierten Werten + optional Marketing-Farbname. - Maße (L/B/H) + Einheit
Strukturiert. Maße sind einer der größten Retourenhebel, gerade in Möbel, DIY, Technik, Fashion (Verpackungs-/Produktmaße trennen!). - Gewicht + Einheit
Relevant für Versandkosten, Retouren, Handling – und für B2B oft kaufentscheidend.
C) Handel, Logistik & Reibungsverluste senken (14–17)
- Preis (mindestens Basispreis / UVP / Staffel-Logik als Platzhalter)
Im PIM muss nicht zwingend der “Live-Preis” liegen – aber ein Feld, das Preislogik sauber anbindet (ERP/Shop). - Verfügbarkeit / Lieferzeit-Label (kanalfähig)
Auch wenn die Quelle ERP ist: Sie brauchen ein standardisiertes Ziel-Feld, das kanalweit konsistent wirkt. - EAN/GTIN
Der Schlüssel für Marktplätze, Datenfeeds, Matching und Kataloge. - Herstellerartikelnummer (MPN) / interne SKU
Für Support, Kompatibilität, Ersatzteile, B2B-Bestellprozesse.
D) Vertrauen, Compliance & After-Sales (18–20)
- Bilderset (mind. 1 Hauptbild + 2–5 Zusatzbilder) als strukturierte Medienzuordnung
Nicht als “Bild1/Bild2” Chaos, sondern Rollen: Hero, Detail, Anwendung, Maßbild, Verpackung. - Dokumente (Datenblatt, Anleitung, Sicherheits-/Konformitätsdokumente)
Ein einziger sauberer Download-Link kann Supporttickets massiv reduzieren. - Kompatibilität / Anwendungsbereich (strukturiert oder als Relation)
Für Technik, Zubehör, Ersatzteile: “passt zu” ist Umsatz. Ohne Kompatibilität verlieren Sie Warenkorb und Vertrauen.
So kommen Sie von “20 Feldern” zu “20 Feldern, die wirklich wirken”
Die Kunst liegt nicht im Aufschreiben, sondern im Priorisieren nach Kanal-Impact.
Schritt 1: Wählen Sie 2–3 Umsatzkanäle als Startlinie
Beispiel: Shop + Amazon + B2B-Portal.
Alles, was nicht in diese Kanäle einzahlt, kommt in Phase 2.
Schritt 2: Definieren Sie pro Kategorie die “Kauf-Entscheider”
Fragen Sie nicht nur Marketing. Fragen Sie:
- Vertrieb: “Welche Fragen entscheiden über den Abschluss?”
- Support: “Was wird ständig nachgefragt?”
- Retouren-Team: “Warum kommt Ware zurück?”
Schritt 3: Setzen Sie Mindestqualität statt Vollständigkeit
Für den Start gilt:
- 80% der Topseller sauber pflegen
- Rest später nachziehen
Denn Umsatz entsteht zuerst dort, wo Volumen ist.
Schritt 4: Machen Sie Datenqualität sichtbar
Schon in Woche 2 können Sie ein simples Scoring fahren:
- Pflichtfelder befüllt?
- Einheiten korrekt?
- Bilder vollständig?
- Kategoriefilter gepflegt?
Beispiel: Minimalstart in 4–6 Wochen (realistisch und machbar)
Woche 1: Scope & Dateninventur
- 3 Kanäle + 5–10 Kernkategorien auswählen
- Datenquellen bewerten (ERP, Excel, Lieferantenfeeds, DAM)
Woche 2: Minimal-Datenmodell & Attribut-Set fixieren
- Produkt/Variante/Medien/Relationen definieren
- Controlled vocabularies für Farbe, Material, Einheiten
Woche 3–4: Mapping & erster Import
- Topseller rein
- Bilder/Dokumente sauber verknüpfen
- Exporte für 1 Kanal produktiv testen
Woche 5: Ausgabe live + Messpunkte setzen
- Filter/SEO-Templates prüfen
- Marktplatz-Feldlogik testen
- KPI-Baseline dokumentieren
Woche 6: Iteration
- 3–5 zusätzliche Attribute je Kategorie ergänzen
- Prozesse für laufende Pflege definieren
Typische Fehler beim 80/20-Start (und wie Sie sie vermeiden)
Fehler 1: “Wir nehmen einfach alle ERP-Felder.”
ERP ist selten kanaloptimiert. PIM muss aus ERP-Daten verkaufsfähige Informationen machen.
Fehler 2: Freitext statt Struktur
Freitext ist bequem – aber nicht filterbar, nicht validierbar, nicht skalierbar.
Fehler 3: Kein Ownership
Wenn niemand “Farbe” oder “Maße” verantwortet, sind sie nach 8 Wochen wieder kaputt.
Fehler 4: Kein Variantendenken
Wenn Varianten nicht sauber sind, wird aus einem PIM schnell ein “besseres Excel”.
Fehler 5: Nur IT-Projekt, kein Handelsprojekt
PIM ist Umsatz- und Prozesshebel. Vertrieb, E-Com, Marketing, Service müssen mit am Tisch sitzen.
Fazit: Schnell starten, sichtbar gewinnen, dann ausbauen
Ein PIM-Projekt scheitert selten an Software – es scheitert an Überambition und fehlender Priorisierung. Mit einem Minimal-Datenmodell und 20 umsatzrelevanten Attributen schaffen Sie in kurzer Zeit:
- bessere Auffindbarkeit
- höhere Conversion
- weniger Retouren
- weniger Supportaufwand
- schnellere Content-Ausleitung in alle Kanäle
Und das Beste: Sie schaffen eine Grundlage, auf der Sie später sauber erweitern können – um Compliance-Anforderungen, Nachhaltigkeitsdaten, Digital Product Passport-Infos, zusätzliche Sprachen, weitere Marktplätze oder komplexere Variantenlogiken.
Sie möchten nicht erst monatelang modellieren, sondern schnell mit einem schlanken, wirksamen Datenkern live gehen? Die Produktdatenfabrik unterstützt Sie beim Aufbau und der Einführung von PIM-Systemen – von der ersten Struktur bis zur produktiven Ausleitung in Shop, Marktplätze und weitere Kanäle.
Wir begleiten Sie von Anfang an: vom Minimal-Datenmodell über Attribut- und Variantenlogik, Datenquellen-/ERP-Anbindung, Qualitätsregeln und Workflows bis hin zu Import, Schulung und Rollout. Damit Ihr PIM nicht nur „steht“, sondern früh messbar Umsatz bringt und anschließend stabil wachsen kann.
Sprechen Sie mit uns, wenn Sie Ihren PIM-Start pragmatisch, sauber und skalierbar aufsetzen möchten.

