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KPMG-Studie: Warum der digitale Produktpass bei den Daten beginnt

Der digitale Produktpass rückt näher, doch vielerorts fehlt die Grundlage: verlässliche Produktdaten. Eine KPMG-Studie zeigt, wo Unternehmen jetzt ansetzen sollten.

Der digitale Produktpass (Digital Product Passport, DPP) gilt als wichtiger Baustein für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit im europäischen Binnenmarkt. Er soll Informationen über Materialien, Herkunft, Reparierbarkeit und Umweltauswirkungen von Produkten leichter zugänglich machen und damit die Kreislaufwirtschaft stärken. Doch zwischen den regulatorischen Zielen und der praktischen Umsetzung klafft derzeit noch eine erhebliche Lücke.

Wie groß diese ist, verdeutlicht die im Februar 2026 veröffentlichte European Digital Product Passport Readiness Survey von KPMG. Demnach haben zwar 97 Prozent der befragten Unternehmen bereits vom digitalen Produktpass gehört, aber nur 33 Prozent geben an, dessen konkrete Anforderungen und Auswirkungen auf das eigene Geschäft gut zu verstehen. Lediglich 19 Prozent sehen sich umfassend auf die Einführung vorbereitet.

Diese Ergebnisse werfen eine grundlegende Frage auf: Wie sollen Unternehmen künftig verlässliche und nachvollziehbare Produktinformationen bereitstellen, wenn die dafür notwendigen Daten heute häufig noch über zahlreiche Systeme, Abteilungen und Lieferanten verteilt sind?

Die Antwort liegt weniger in einer einzelnen technischen Lösung als vielmehr in einem durchdachten Produktdatenmanagement. Denn der digitale Produktpass stellt nicht nur neue Anforderungen an die Bereitstellung von Informationen. Er macht zugleich sichtbar, welche Schwächen in bestehenden Datenstrukturen bislang unentdeckt geblieben sind.

Die KPMG-Studie zeigt eine deutliche Umsetzungslücke

Für die Studie befragte KPMG zwischen September und Dezember 2025 mehr als 70 Organisationen aus 13 europäischen Ländern. Vertreten waren unterschiedliche Unternehmensgrößen und Branchen, darunter Textilien, Metallverarbeitung, Batterien, Elektronik und Möbel. Die Ergebnisse liefern damit einen aufschlussreichen Einblick in den Vorbereitungsstand besonders relevanter Industriezweige. Aufgrund der begrenzten Stichprobe und des hohen Anteils aus der Textilbranche sind sie allerdings nicht als repräsentative Bestandsaufnahme der gesamten europäischen Wirtschaft zu verstehen.

Besonders auffällig ist die Diskrepanz zwischen Bekanntheit und tatsächlicher Vorbereitung. Während der Begriff DPP nahezu allen Befragten geläufig ist, befinden sich 53 Prozent erst in einer frühen Umsetzungsphase. Weitere 16 Prozent planen, sich dem Thema demnächst zu widmen, während bei 12 Prozent noch keine entsprechenden Gespräche auf Führungsebene stattgefunden haben.

Auch die größten Hindernisse lassen aufhorchen. Für 31 Prozent stellt die Beschaffung notwendiger Daten aus der Lieferkette die wichtigste Herausforderung dar. 25 Prozent nennen Unsicherheiten hinsichtlich der technischen Anforderungen. Reine technologische Einschränkungen werden dagegen nur von 14 Prozent als größte Schwierigkeit eingestuft.

Das zeigt: Die Vorbereitung auf den digitalen Produktpass ist keineswegs ausschließlich ein IT-Projekt. Die grundlegenden Probleme liegen häufig bereits dort, wo Produktinformationen entstehen, gepflegt und ausgetauscht werden.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt der am 13. Oktober 2026 auf silicon.de veröffentlichte Fachbeitrag „Ohne klare Datenstruktur kein digitaler Produktpass“. Er greift die Ergebnisse der KPMG-Studie auf und betont insbesondere die Bedeutung einer konsistenten Datenbasis. Die eigentliche Herausforderung besteht demnach nicht nur darin, Informationen technisch verfügbar zu machen, sondern zunächst sicherzustellen, dass sie vollständig, aktuell und zuverlässig sind.

Warum der DPP neue Anforderungen an Produktdaten stellt

Der digitale Produktpass basiert auf der europäischen Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte, der sogenannten Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR). Sie schafft den rechtlichen Rahmen, um künftig für unterschiedliche Produktgruppen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz und produktbezogene Informationen festzulegen.

Welche Angaben ein DPP konkret enthalten muss, hängt von den jeweiligen produktspezifischen Vorschriften ab. Dazu können beispielsweise Informationen zur Materialzusammensetzung, zu enthaltenen Stoffen, zur Haltbarkeit, zur Reparierbarkeit oder zu Recyclingmöglichkeiten gehören.

Der entscheidende Unterschied zur bisherigen Produktkommunikation liegt jedoch nicht allein im Umfang der Informationen. Während klassische Produktbeschreibungen vor allem dem Verkauf und der Vermarktung dienen, sollen DPP-Daten auch von Behörden, Geschäftspartnern, Reparaturbetrieben oder Recyclingunternehmen genutzt werden können.

Dafür müssen Informationen eindeutig zugeordnet, möglichst standardisiert und über verschiedene Systeme hinweg austauschbar sein. Unterschiedliche Nutzergruppen erhalten dabei je nach rechtlicher Vorgabe Zugang zu unterschiedlichen Informationen.

Ein Produktpass ist also weit mehr als eine digitale Produktbroschüre, die sich über einen QR-Code öffnen lässt. Er benötigt eine belastbare Informationsstruktur, die relevante Daten über den Produktlebenszyklus hinweg zugänglich und nachvollziehbar macht.

Welche konkreten Anforderungen dabei gelten, erläutert die Europäische Kommission in ihren offiziellen DPP-FAQ.

Verteilte Daten werden zum strukturellen Problem

In vielen Unternehmen sind Produktinformationen historisch gewachsen. Technische Merkmale werden im ERP-System gepflegt, Marketinginformationen im PIM-System, Konstruktionsdaten in einer PLM-Lösung und Nachhaltigkeitsnachweise in separaten Anwendungen oder Dokumentenablagen. Hinzu kommen Informationen von Lieferanten, externe Zertifikate und nicht selten manuell geführte Tabellen.

Diese Verteilung ist zunächst nicht ungewöhnlich. Schließlich erfüllen die einzelnen Systeme unterschiedliche Aufgaben. Problematisch wird sie, sobald dieselben Informationen mehrfach gepflegt werden oder sich Änderungen nicht zuverlässig zwischen den Anwendungen übertragen lassen.

So kann eine Materialangabe im ERP-System anders lauten als in einer Lieferantendokumentation. Eine Produktvariante wird möglicherweise im PIM-System geführt, ohne dass dort die zugehörigen Komponenten eindeutig hinterlegt sind. Zertifikate liegen zwar vor, lassen sich aber keiner bestimmten Charge oder Ausführung zuordnen.

Solche Unstimmigkeiten fallen im Tagesgeschäft nicht immer sofort auf. Spätestens wenn Informationen für einen digitalen Produktpass zusammengestellt und nachgewiesen werden müssen, entwickeln sie sich jedoch zu einem ernsthaften Hindernis.

Denn es genügt nicht, die gesuchten Angaben irgendwo im Unternehmen gespeichert zu haben. Sie müssen sich dem richtigen Produkt zuordnen lassen, in geeigneter Struktur vorliegen und gegebenenfalls durch eine belastbare Quelle belegt werden können.

Der digitale Produktpass schafft diese Datenqualität nicht automatisch. Er setzt sie voraus.

Genau darin liegt eine wesentliche Erkenntnis aus der KPMG-Studie: Unternehmen, die ihre Datenlandschaft bislang vorwiegend nach internen Abteilungsanforderungen organisiert haben, stehen nun vor der Aufgabe, Informationen über System- und Organisationsgrenzen hinweg zusammenzuführen.

Die Lieferkette wird zur eigentlichen Belastungsprobe

Noch komplexer wird die Situation, wenn relevante Informationen nicht im eigenen Unternehmen entstehen. Angaben zur Herkunft von Rohstoffen, zu Vorprodukten, verwendeten Substanzen oder bestimmten Umwelteigenschaften liegen häufig bei vorgelagerten Lieferanten.

Das Problem reicht dabei über direkte Geschäftsbeziehungen hinaus. Ein Hersteller kann Informationen von seinem unmittelbaren Zulieferer erhalten, während wesentliche Angaben zu einzelnen Materialien erst bei einem Lieferanten auf einer früheren Wertschöpfungsstufe vorliegen.

KPMG identifiziert die Datenbeschaffung innerhalb dieser mehrstufigen Lieferketten entsprechend als eine der zentralen Herausforderungen bei der DPP-Einführung. Nicht alle beteiligten Unternehmen verfügen über die erforderliche digitale Infrastruktur, einheitliche Datenmodelle oder ausreichende personelle Ressourcen, um Informationen strukturiert bereitzustellen.

Hinzu kommen Fragen zur Vertraulichkeit und Verantwortung: Welche Daten müssen offengelegt werden? Wer bestätigt ihre Richtigkeit? Und wie wird sichergestellt, dass Veränderungen an Materialien oder Komponenten auch in nachgelagerten Datensystemen berücksichtigt werden?

Eine rein technische Schnittstelle löst diese Fragen nicht. Erforderlich sind abgestimmte Prozesse und klare Vereinbarungen darüber, welche Informationen in welcher Form geliefert, überprüft und aktualisiert werden sollen.

Für die Praxis bedeutet das, die Zusammenarbeit mit Lieferanten stärker als kontinuierlichen Datenprozess zu verstehen. Produktinformationen sollten nicht erst dann angefordert werden, wenn ein regulatorischer Nachweis unmittelbar bevorsteht. Sinnvoller ist es, benötigte Angaben bereits in Beschaffungs-, Freigabe- und Onboarding-Prozesse einzubinden.

Damit entwickelt sich die Qualität der Lieferantendaten zu einem wichtigen Bestandteil des unternehmensweiten Produktdatenmanagements.

Daten-Governance: Wer übernimmt die Verantwortung?

Neben der technischen und organisatorischen Fragmentierung zeigt die KPMG-Studie eine weitere Schwachstelle: In 23 Prozent der befragten Organisationen ist noch keine Abteilung ausdrücklich für die DPP-Umsetzung verantwortlich.

Dort, wo Zuständigkeiten bestehen, liegt die Verantwortung besonders häufig bei Nachhaltigkeitsabteilungen. Sie werden von 46 Prozent der Befragten als beteiligte zuständige Funktion genannt. IT, Einkauf und Produktentwicklung sind ebenfalls eingebunden, allerdings in geringerem Umfang.

Das ist nachvollziehbar, schließlich ist der digitale Produktpass eng mit Nachhaltigkeits- und Compliance-Anforderungen verbunden. Gleichzeitig entstehen die benötigten Informationen nicht ausschließlich in diesen Bereichen.

Produktentwicklung, Einkauf, Qualitätsmanagement, IT und Vertrieb verwalten jeweils unterschiedliche Teile der Datenbasis. Ohne übergreifende Abstimmung besteht die Gefahr, dass Informationen zwar erfasst, aber nicht einheitlich bewertet und gepflegt werden.

Hier setzt eine verbindliche Data Governance an. Sie definiert, welche Systeme als maßgebliche Quellen dienen, wer Daten freigibt und welche Prozesse bei fehlerhaften oder widersprüchlichen Angaben greifen. Ebenso wichtig sind Regeln für die Dokumentation von Änderungen und die regelmäßige Überprüfung der Datenqualität.

Ein Beispiel verdeutlicht den Zusammenhang: Ändert ein Zulieferer die Zusammensetzung einer Komponente, muss klar sein, wer diese Änderung übernimmt, welche Produkte davon betroffen sind und ob bestehende Nachweise aktualisiert werden müssen. Ohne festgelegte Verantwortlichkeiten kann eine solche Information in einer Abteilung ankommen, ohne die relevanten Datensätze an anderer Stelle zu erreichen.

Daten-Governance ist deshalb keine zusätzliche Verwaltungsaufgabe neben dem DPP, sondern eine zentrale Voraussetzung für dessen verlässlichen Betrieb.

Welche Rolle spielen PIM, ERP und weitere Systeme?

Mit dem digitalen Produktpass wächst zwangsläufig die Bedeutung einer integrierten Systemlandschaft. Dabei stellt sich häufig die Frage, welche Rolle bestehende Lösungen für Product Information Management (PIM), Enterprise Resource Planning (ERP), Product Lifecycle Management (PLM) oder Master Data Management (MDM) übernehmen können.

Ein PIM-System bietet beispielsweise die Möglichkeit, Produktinformationen strukturiert zu verwalten, Attribute zu vereinheitlichen und Daten für unterschiedliche Ausgabekanäle bereitzustellen. Dadurch kann es einen wichtigen Beitrag zur DPP-Vorbereitung leisten, insbesondere wenn bereits umfangreiche Produkt- und Variantenstrukturen vorhanden sind.

ERP-Systeme liefern wiederum Informationen zu Artikeln, Lieferanten oder Beschaffungsprozessen. PLM-Lösungen können Konstruktionsdaten, Stücklisten und produktbezogene Änderungen abbilden. MDM-Ansätze unterstützen dabei, übergreifende Stammdaten konsistent zu halten und einheitliche Identitäten zu schaffen.

Keines dieser Systeme ist allerdings automatisch eine vollständige DPP-Lösung. Je nach Produktgruppe müssen zusätzliche Informationen integriert, Zugriffsrechte berücksichtigt und Schnittstellen zu weiteren Diensten geschaffen werden.

Entscheidend ist daher weniger die Frage, welches einzelne System den digitalen Produktpass erzeugt. Viel wichtiger ist, wie die Systeme miteinander verbunden sind und wo jeweils die verlässliche Datenquelle liegt.

Auch KPMG beschreibt die technische Entscheidungsfindung als noch nicht abgeschlossen. 61 Prozent der befragten Unternehmen hatten zum Zeitpunkt der Erhebung nicht entschieden, ob sie eine eigene DPP-Lösung entwickeln oder eine externe Plattform nutzen wollen. 34 Prozent bevorzugten bereits den Einkauf einer externen Lösung, während fünf Prozent eine Eigenentwicklung planten.

Die Entscheidung für eine Software sollte jedoch nicht mit dem Aufbau der Datenbasis verwechselt werden. Eine leistungsfähige DPP-Plattform kann Informationen bereitstellen, Zugriffe steuern und notwendige Schnittstellen bedienen. Fehlende Materialdaten oder widersprüchliche Produktattribute werden dadurch aber nicht automatisch korrigiert.

Die Einführung des digitalen Produktpasses ist deshalb auch eine Gelegenheit, die vorhandene IT- und Datenarchitektur grundsätzlich zu überprüfen.

Der regulatorische Rahmen nimmt zunehmend Gestalt an

Während die KPMG-Befragung Ende 2025 noch von zahlreichen offenen technischen Fragen geprägt war, sind inzwischen wichtige Schritte bei der europäischen DPP-Infrastruktur erfolgt.

Am 20. Juli 2026 nahm die Europäische Kommission das europäische Register für digitale Produktpässe zusammen mit einer Testumgebung in Betrieb. Das Register bildet eine zentrale Komponente der künftigen DPP-Architektur.

Dabei ist eine wichtige Unterscheidung zu beachten: Das Register dient vor allem der Registrierung eindeutiger Produktidentifikatoren und zugehöriger Metadaten. Die eigentlichen detaillierten Produktinformationen werden grundsätzlich dezentral bei den verantwortlichen Wirtschaftsakteuren oder entsprechenden Dienstleistern gespeichert. Das Register ersetzt somit keine funktionierende Produktdateninfrastruktur innerhalb der Unternehmen.

Auch bei der Standardisierung gibt es Fortschritte. Sechs der acht vorgesehenen europäischen DPP-Standards wurden bereits veröffentlicht. Sie behandeln unter anderem eindeutige Identifikatoren, Datenträger, Interoperabilität, Programmierschnittstellen und den Datenaustausch.

Der zeitliche Druck unterscheidet sich allerdings deutlich nach Produktgruppe. Für bestimmte Fahrzeug-, Industrie- und Leichtverkehrsbatterien wird der Batteriepass gemäß EU-Batterieverordnung ab dem 18. Februar 2027 verpflichtend. Weitere Branchen, darunter Eisen und Stahl, Textilien, Aluminium und Möbel, folgen einem gestaffelten regulatorischen Fahrplan.

Wichtig ist hierbei: Die im europäischen Arbeitsplan genannten Jahre beziehen sich häufig auf die geplante Verabschiedung produktspezifischer Regelungen und nicht unmittelbar auf den Beginn einer DPP-Pflicht. Die verbindlichen Anwendungsfristen ergeben sich erst aus den jeweiligen Rechtsakten und entsprechenden Übergangszeiten.

Die Europäische Kommission erläutert diese zeitliche Staffelung ausdrücklich. Unternehmen sollten deshalb prüfen, welche konkreten Anforderungen für ihr Sortiment und ihre Rolle innerhalb der Lieferkette relevant werden.

Unabhängig vom individuellen Stichtag bleibt jedoch eine gemeinsame Herausforderung bestehen: Der Aufbau belastbarer Datenstrukturen und die Einbindung von Lieferanten benötigen Zeit. Beides lässt sich nur begrenzt kurzfristig nachholen.

Mehr als Compliance: Welche Potenziale entstehen durch bessere Produktdaten?

Trotz aller regulatorischen Anforderungen wäre es zu kurz gedacht, den digitalen Produktpass ausschließlich als zusätzliche Dokumentationspflicht zu betrachten. Die KPMG-Studie zeigt, dass viele Unternehmen durchaus wirtschaftliche Vorteile erwarten.

61 Prozent der Befragten sehen in einem gestärkten Vertrauen in Marken und Produkte einen wesentlichen potenziellen Nutzen. Jeweils 36 Prozent erwarten Vorteile durch eine höhere Nachfrage nach nachhaltigeren Produkten beziehungsweise durch verbesserte Möglichkeiten für Wiederverwendung, Rückgewinnung oder Recycling. Weitere 28 Prozent nennen eine widerstandsfähigere Lieferkette.

Diese Werte beschreiben Erwartungen der befragten Unternehmen, keine bereits nachgewiesenen wirtschaftlichen Effekte. Sie zeigen aber, welche Bedeutung nachvollziehbaren Produktinformationen künftig zugeschrieben wird.

Gerade hier lässt sich der Zusammenhang zwischen DPP, Produktdatenmanagement und weiteren digitalen Entwicklungen erkennen. Verlässliche Informationen zur Materialzusammensetzung können nicht nur für einen regulatorischen Nachweis relevant sein, sondern auch für die Sortimentsgestaltung, Nachhaltigkeitskommunikation oder die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern.

Strukturierte und gepflegte Produktdaten verbessern zudem die Voraussetzungen für automatisierte Prozesse und den Einsatz künstlicher Intelligenz. KI-Anwendungen können vorhandene Informationen beispielsweise klassifizieren, auf Auffälligkeiten prüfen oder für unterschiedliche Kommunikationskanäle aufbereiten. Ob die Ergebnisse tatsächlich belastbar sind, hängt jedoch wesentlich von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab.

Auch die Vermarktung profitiert von einer konsistenten Informationsbasis. Wenn technische Merkmale, Produktvarianten und belegbare Nachhaltigkeitseigenschaften zentral gepflegt werden, lassen sie sich einheitlicher über Websites, Onlineshops und weitere Vertriebskanäle kommunizieren.

Der DPP kann damit zum Anlass werden, Informationsstrukturen aufzubauen, die weit über die eigentliche Erfüllung gesetzlicher Anforderungen hinaus Nutzen stiften.

Wie aus vorhandenen Daten eine DPP-fähige Grundlage wird

Die Ergebnisse der KPMG-Studie legen nahe, dass der Einstieg in die DPP-Vorbereitung nicht zwangsläufig mit der Auswahl eines neuen Softwaresystems beginnen sollte. Zunächst ist ein möglichst realistisches Bild der bestehenden Datenlandschaft erforderlich.

Dazu gehört die Frage, welche Informationen bereits strukturiert vorliegen, welche Datenquellen genutzt werden und wie eindeutig sich Angaben einzelnen Produkten, Varianten oder Komponenten zuordnen lassen. Ebenso sollten fehlende Nachweise, manuelle Prozesse und mögliche Widersprüche zwischen verschiedenen Systemen identifiziert werden.

Ein zentraler Bestandteil ist die Definition eines geeigneten Datenmodells. Es legt fest, welche Produktattribute benötigt werden, wie sie beschrieben sind und in welchen Beziehungen die einzelnen Informationen zueinander stehen. Dazu gehört auch die Festlegung geeigneter Identifikatoren, damit Produkte und gegebenenfalls Chargen oder einzelne Einheiten zuverlässig miteinander verknüpft werden können.

Darauf aufbauend sollten verbindliche Qualitätsregeln etabliert werden. Pflichtangaben, zulässige Werte, Einheiten und Prüfprozesse tragen dazu bei, Inkonsistenzen frühzeitig zu erkennen. Informationen müssen außerdem möglichst nachvollziehbar bleiben: Woher stammt eine Angabe, auf welcher Grundlage wurde sie bestätigt und wann wurde sie zuletzt aktualisiert?

Ein weiterer Schritt betrifft die Datenlieferkette. Statt Informationen bei jeder neuen Anforderung einzeln zusammenzutragen, sollten wiederkehrende Austauschprozesse mit Lieferanten aufgebaut werden. Einheitliche Vorlagen, definierte Schnittstellen und klare Zuständigkeiten können die Qualität und Verfügbarkeit erheblich verbessern.

Erst auf dieser Grundlage lässt sich fundiert entscheiden, welche technischen Ergänzungen tatsächlich notwendig sind. Ein Pilotprojekt mit einer ausgewählten Produktgruppe kann anschließend zeigen, wie gut das Zusammenspiel aus Datenmodell, bestehenden Systemen, Lieferanteninformationen und DPP-Diensten funktioniert.

Dabei empfiehlt sich eine Architektur, die flexibel auf neue Anforderungen reagieren kann. Schließlich werden sich die konkreten Informationspflichten je nach Produktgruppe unterscheiden und mit weiteren europäischen Regelungen verändern.

Fazit: Der digitale Produktpass beginnt lange vor dem QR-Code

Die KPMG-Studie macht deutlich, dass zwischen dem Wissen um den digitalen Produktpass und seiner tatsächlichen Umsetzung noch erhebliche Unterschiede bestehen. Die größte Herausforderung ist dabei nicht zwangsläufig die technische Bereitstellung eines Passes, sondern die Fähigkeit, verlässliche Produktinformationen über verschiedene Systeme und Akteure hinweg zusammenzuführen.

Der digitale Produktpass macht damit ein grundsätzliches Problem sichtbar, das viele Unternehmen bereits heute betrifft: Produktdaten sind zwar vorhanden, aber nicht immer vollständig, konsistent oder in der benötigten Struktur verfügbar.

Wer sich frühzeitig mit Datenqualität, klaren Verantwortlichkeiten und einer integrierten Informationsarchitektur beschäftigt, schafft deshalb mehr als nur die Voraussetzungen für kommende DPP-Anforderungen. Gleichzeitig entsteht eine belastbare Grundlage für effizientere Prozesse, glaubwürdige Nachhaltigkeitskommunikation und die Weiterentwicklung digitaler Geschäftsmodelle.

Der entscheidende Schritt zur DPP-Fähigkeit beginnt somit nicht beim QR-Code auf dem Produkt, sondern bei den Daten, auf die er später verweist.

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