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Vom Produktdatenbestand zum DPP-Pilot

Der Digitale Produktpass muss nicht als großes Transformationsprojekt beginnen. Unternehmen können heute mit einem klar begrenzten Pilot starten: relevante Produktgruppe auswählen, Datenquellen prüfen, Datenmodell definieren und erste Produktpass-Inhalte kontrolliert ausspielen. Teil 3 der Serie „Datenhoheit und DPP“.

Im ersten Teil dieser Serie ging es um Datenhoheit als strategische Grundlage. Im zweiten Teil stand der Perspektivwechsel im Mittelpunkt: Der Digitale Produktpass ist nicht nur eine regulatorische Pflicht, sondern kann zu einem neuen Produkt-Touchpoint werden. Der dritte Teil führt diese beiden Perspektiven zusammen und stellt die praktische Frage: Wie kommen Unternehmen vom heutigen Produktdatenbestand zu einem funktionierenden Digitalen Produktpass?

Die gute Nachricht ist: Der Einstieg muss nicht mit einem großen IT-Programm beginnen. Viele Unternehmen verfügen bereits über einen erheblichen Teil der relevanten Informationen. Sie liegen nur selten an einem Ort, in einer einheitlichen Struktur oder in der Qualität vor, die für digitale Produktpässe, regulatorische Nachweise und automatisierte Prozesse notwendig ist. Genau deshalb ist der erste Schritt nicht die perfekte Endlösung, sondern ein realistischer Pilot.

Ein Pilot macht sichtbar, welche Daten vorhanden sind, welche fehlen, welche Systeme beteiligt sind und welche organisatorischen Fragen geklärt werden müssen. Er schafft ein gemeinsames Verständnis zwischen IT, Produktmanagement, Nachhaltigkeit, Compliance, Marketing, Einkauf und Vertrieb. Und er verhindert, dass der Digitale Produktpass erst dann zum Thema wird, wenn Fristen näher rücken und Datenlücken plötzlich operativ kritisch werden.

Der DPP beginnt mit einer Bestandsaufnahme

In vielen Unternehmen sind Produktinformationen historisch gewachsen. Artikelstammdaten liegen im ERP, technische Merkmale im PIM oder PLM, Zertifikate im Dokumentenmanagement, Bilder in einer Medienbibliothek, Lieferantendaten in Portalen, Excel-Dateien oder E-Mails. Dazu kommen Übersetzungen, Verpackungsinformationen, Sicherheitsdaten, Prüfberichte, Gebrauchsanweisungen, Nachhaltigkeitsinformationen und Marktplatzdaten.

Für den Digitalen Produktpass reicht es nicht, diese Informationen irgendwo zu besitzen. Sie müssen auffindbar, eindeutig zuordenbar, aktuell und ausspielbar sein. Deshalb sollte am Anfang eine ehrliche Dateninventur stehen. Welche Systeme enthalten welche Informationen? Welche Quelle ist führend? Welche Daten werden manuell gepflegt? Welche Dokumente sind mit Produkten oder Varianten verknüpft? Welche Informationen kommen von Lieferanten? Und welche Daten sind zwar vorhanden, aber nicht in einer strukturierten Form nutzbar?

Diese Bestandsaufnahme ist oft ernüchternd, aber wertvoll. Sie zeigt nicht nur Lücken, sondern auch Potenziale. Häufig existiert bereits mehr Substanz, als zunächst angenommen wird. Der Aufwand liegt dann weniger darin, alles neu zu erzeugen, sondern darin, vorhandene Informationen zu ordnen, zu prüfen und in ein belastbares Modell zu bringen.

Nicht alle Produkte gleichzeitig angehen

Ein häufiger Fehler besteht darin, den Digitalen Produktpass sofort für das gesamte Sortiment denken zu wollen. Das wirkt umfassend, führt aber schnell zu Komplexität. Unterschiedliche Produktgruppen haben unterschiedliche Datenanforderungen, Lieferketten, Materialien, Dokumentationen und Zielgruppen. Wer alles gleichzeitig abbilden möchte, verliert leicht den Fokus.

Sinnvoller ist es, mit einer ausgewählten Produktgruppe zu starten. Diese sollte relevant genug sein, um echte Erkenntnisse zu liefern, aber begrenzt genug, um beherrschbar zu bleiben. Geeignet sind zum Beispiel Produktgruppen mit hoher regulatorischer Relevanz, vielen Varianten, besonderem Nachhaltigkeitsbezug, erklärungsbedürftigen Eigenschaften oder hohem Servicepotenzial.

Entscheidend ist, dass der Pilot realistisch ist. Ein rein theoretisches Beispielprodukt liefert wenig Erkenntnis. Ein echter Ausschnitt aus dem Sortiment zeigt dagegen, wie gut die Datenlage tatsächlich ist, welche Abteilungen beteiligt sind und wo Prozesse angepasst werden müssen.

Das Datenmodell ist das Fundament

Nach der Auswahl der Produktgruppe folgt die zentrale Frage: Welche Informationen soll der Digitale Produktpass enthalten? Dabei geht es nicht nur um Pflichtfelder. Unternehmen sollten zwischen regulatorisch notwendigen Informationen, intern wichtigen Daten und zusätzlichen Inhalten mit Kundennutzen unterscheiden.

Regulatorisch relevant können je nach Produktgruppe Angaben zu Materialien, Inhaltsstoffen, Herkunft, Konformität, Reparierbarkeit, Recycling, Entsorgung, CO₂-bezogenen Informationen oder Nachweisen sein. Für Vertrieb und Service können zusätzlich technische Merkmale, Ersatzteile, Pflegehinweise, Gebrauchsanleitungen, Sicherheitsinformationen oder Dokumentationen wichtig werden. Für Marketing und Kundenerlebnis können Erklärtexte, Bilder, Videos, Storytelling-Elemente oder mehrsprachige Inhalte hinzukommen.

Aus diesen Anforderungen entsteht ein DPP-Datenmodell. Es definiert, welche Attribute benötigt werden, welche Werteformate gelten, welche Einheiten verwendet werden, welche Dokumenttypen zugeordnet werden und welche Informationen öffentlich, eingeschränkt oder intern verfügbar sein sollen. Ohne ein solches Modell bleibt der Digitale Produktpass eine Sammlung einzelner Inhalte. Mit einem klaren Datenmodell wird er zu einem strukturierten, skalierbaren Datenprodukt.

Lieferanten früh einbinden

Viele DPP-relevante Informationen entstehen nicht im eigenen Unternehmen. Materialien, Inhaltsstoffe, Vorprodukte, Zertifikate, Prüfberichte, Herkunftsangaben oder Nachhaltigkeitsnachweise kommen häufig von Lieferanten. Deshalb ist der Digitale Produktpass auch ein Lieferantenmanagement-Thema.

Unternehmen sollten früh klären, welche Daten Lieferanten bereitstellen können, in welchem Format sie geliefert werden, wie ihre Qualität geprüft wird und wie Aktualisierungen erfolgen. Gerade bei internationalen Lieferketten ist das entscheidend. Daten können in unterschiedlichen Sprachen, Formaten und Detailgraden vorliegen. Manche Informationen sind strukturiert verfügbar, andere nur in Dokumenten oder Freitexten.

Ein DPP-Pilot hilft dabei, diese Realität sichtbar zu machen. Er zeigt, ob Lieferanten die benötigten Informationen liefern können, ob standardisierte Vorlagen notwendig sind und wo vertragliche, technische oder organisatorische Anpassungen erforderlich werden. Wer diese Fragen früh klärt, reduziert späteren Zeitdruck erheblich.

Aus Daten wird ein Produktpass

Sobald Produktgruppe, Datenquellen und Datenmodell definiert sind, stellt sich die Frage der Ausspielung. Der Digitale Produktpass wird für Nutzerinnen und Nutzer meist über einen digitalen Einstiegspunkt sichtbar, zum Beispiel über einen QR-Code, einen Link oder einen anderen Datenträger am Produkt, an der Verpackung, im Shop oder in technischen Unterlagen. Dieser Einstiegspunkt ist wichtig, aber er ist nicht der eigentliche Produktpass.

Der eigentliche Wert entsteht in der digitalen Umgebung dahinter. Dort müssen Informationen verständlich, aktuell, zielgruppengerecht und im besten Fall im Corporate Design aufbereitet werden. Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen andere Ansichten als Geschäftspartner, Händler, Serviceabteilungen oder Behörden. Einige Informationen sollen öffentlich zugänglich sein, andere nur für bestimmte Rollen oder Anwendungsfälle.

Deshalb sollte die Ausspielung nicht erst am Ende bedacht werden. Schon im Pilot sollte klar sein, wie die DPP-Inhalte später angezeigt, aktualisiert und erweitert werden. Dazu gehören Fragen wie: Wie sieht die Produktpass-Seite aus? Welche Inhalte stehen im Vordergrund? Welche Dokumente werden verlinkt? Wie werden Sprachen und Märkte abgebildet? Wie werden QR-Codes verwaltet? Wie wird sichergestellt, dass Änderungen im Produktdatenbestand auch im Produktpass sichtbar werden?

Governance macht den DPP dauerhaft nutzbar

Ein Digitaler Produktpass ist kein statisches Dokument. Produkte ändern sich, Lieferanten wechseln, Zertifikate laufen ab, Materialien werden angepasst, rechtliche Anforderungen entwickeln sich weiter und Inhalte müssen aktualisiert werden. Deshalb braucht der DPP klare Governance.

Governance bedeutet in diesem Zusammenhang nicht zusätzliche Bürokratie, sondern Verlässlichkeit. Wer darf Daten ändern? Wer gibt Inhalte frei? Welche Informationen müssen versioniert werden? Wie werden abgelaufene Dokumente erkannt? Welche Änderungen lösen eine erneute Prüfung aus? Wie wird nachvollziehbar, welche Information zu welchem Zeitpunkt gültig war?

Diese Fragen sind besonders wichtig, weil der DPP nach außen wirkt. Fehlerhafte oder veraltete Informationen sind nicht nur intern störend, sondern können rechtliche, vertriebliche oder reputative Folgen haben. Ein guter Pilot sollte deshalb nicht nur zeigen, wie ein Produktpass aussieht, sondern auch, wie er gepflegt und kontrolliert betrieben werden kann.

Der pragmatische Pilot in fünf Schritten

Ein sinnvoller Einstieg lässt sich in fünf Schritte gliedern.

  1. Zunächst wird der Scope definiert: Welche Produktgruppe, welche Märkte und welche Zielsetzung stehen im Fokus?
  2. Danach folgt die Dateninventur, bei der vorhandene Quellen, Formate, Verantwortlichkeiten und Lücken sichtbar gemacht werden.
  3. Im dritten Schritt entsteht ein DPP-Datenmodell, das Pflichtinformationen, Zusatzinhalte, Dokumente, Sprachen und Zugriffslogiken beschreibt.
  4. Im vierten Schritt werden die Daten aufbereitet und in eine erste Produktpass-Struktur überführt. Dazu gehören die Bereinigung von Attributen, die Zuordnung von Dokumenten und Medien, Übersetzungen, Validierungen und die Vorbereitung einer digitalen Ausspielung.
  5. Im fünften Schritt wird der Pilot veröffentlicht oder intern getestet: mit Produktpass-Seite, QR-Code oder Link, klaren Rollen und einem Prozess für Pflege und Aktualisierung.

Dieser Ablauf ist bewusst pragmatisch. Er ersetzt keine langfristige Produktdatenstrategie, aber er schafft eine belastbare Grundlage dafür. Unternehmen lernen anhand echter Daten, welche technischen und organisatorischen Aufgaben vor ihnen liegen. Gleichzeitig entsteht ein konkretes Ergebnis, das intern diskutiert, verbessert und später skaliert werden kann.

CONTSULT DPP als konkreter Einstieg in die Umsetzung

Genau an dieser Stelle setzt die CONTSULT-DPP-Plattform an. Sie bietet einen konkreten Rahmen, um aus Produktdaten Digitale Produktpässe zu erstellen und kontrolliert auszuspielen. Damit geht es nicht nur um eine DPP-Strategie auf Konzeptebene, sondern um einen praktischen Einstieg: Produktdaten strukturieren, Datenmodelle aufbauen, DPP-Seiten veröffentlichen und QR-Codes zentral verwalten.

Für Unternehmen ist besonders relevant, dass ein erster DPP-Pilot nicht mit einer individuellen Neuentwicklung beginnen muss. Marken, Datenmodelle und DPP-Seiten können konfiguriert werden. Produktinformationen lassen sich per QR-Code oder digitalem Identifikator direkt am Produkt verfügbar machen. Öffentliche DPP-Seiten können im Corporate Design erscheinen, während Dashboards zeigen, welche Informationen bereits vorhanden sind, welche Daten fehlen, welche Versionen existieren und wie Digitale Produktpässe genutzt werden.

Auch die Anbindung bestehender Systemlandschaften ist ein zentraler Punkt. ERP-, PIM-, PLM- oder Lieferkettensysteme können über Schnittstellen eingebunden werden, sodass der Digitale Produktpass nicht als isolierte Insellösung entsteht. Gleichzeitig unterstützt eine Plattformlogik den Umgang mit mehreren Marken, Produktlinien und Seriennummern sowie klare Rollen und Berechtigungen für die Zusammenarbeit im Team.

Die Produktdatenfabrik ergänzt diesen Ansatz aus der operativen Produktdatenperspektive. Denn eine Plattform ist nur so gut wie die Daten, die in ihr verarbeitet werden. Produktinformationen, Stammdaten, Dokumente, Medien und Übersetzungen müssen so vorbereitet und gepflegt werden, dass sie im Digitalen Produktpass sinnvoll nutzbar werden. Die Produktdatenfabrik unterstützt genau bei dieser Implementierung: Sie hilft, bestehende Produktdaten zu prüfen, aufzubereiten, zu strukturieren und in die CONTSULT-DPP-Plattform zu überführen.

So wird aus dem DPP-Pilot kein reines Konzeptpapier, sondern ein greifbares Produktdatenprojekt. Anforderungen werden eingeordnet, Datenquellen analysiert, Datenmodelle aufgebaut, Produktpass-Seiten veröffentlicht, QR-Codes generiert und Informationen kontrolliert aktuell gehalten. Die CONTSULT-DPP-Plattform liefert dafür die technische Basis; die Produktdatenfabrik begleitet die Implementierung aus Sicht der Produktdaten, Inhalte und operativen Pflege.

Vom Pilot zur Roadmap

Nach einem ersten Pilot geht es darum, die gewonnenen Erkenntnisse in eine Roadmap zu überführen. Welche Produktgruppen sollten als nächstes folgen? Welche Datenfelder müssen standardisiert werden? Welche Systeme müssen besser angebunden werden? Welche Lieferantenprozesse müssen angepasst werden? Welche Inhalte eignen sich für Kundennutzen, Service oder Nachhaltigkeitskommunikation? Und welche Governance-Strukturen braucht das Unternehmen, um den DPP dauerhaft zu betreiben?

Diese Roadmap sollte sowohl regulatorische Anforderungen als auch geschäftliche Chancen berücksichtigen. Der Digitale Produktpass ist schließlich nicht nur ein Compliance-Instrument. Er kann auch Vertrieb, Service, E-Commerce, Nachhaltigkeit, Ersatzteilmanagement, Reparaturprozesse und Kundenkommunikation unterstützen. Je besser die Produktdatenbasis, desto leichter lassen sich solche Mehrwerte erschließen.

Dabei ist wichtig: Nicht jedes Unternehmen muss denselben Weg gehen. Ein Hersteller mit komplexer Lieferkette hat andere Anforderungen als ein Händler mit vielen Lieferantenmarken. Ein Maschinenbauer braucht andere Inhalte als ein Textilunternehmen. Ein Unternehmen mit etabliertem PIM startet an einem anderen Punkt als ein Unternehmen, das viele Informationen noch in Excel, PDFs und E-Mails organisiert. Der DPP-Pilot sollte deshalb immer zur Ausgangslage passen.

Jetzt starten, bevor der Druck steigt

Der Digitale Produktpass wird Unternehmen dazu zwingen, Produktinformationen strukturierter, verlässlicher und digitaler zu denken. Wer erst bei finalen Detailvorgaben beginnt, riskiert Zeitdruck und teure Nacharbeit. Wer dagegen früh mit einem Pilot startet, erkennt Datenlücken, klärt Verantwortlichkeiten und entwickelt ein besseres Verständnis für die eigene Produktdatenlandschaft.

Der Einstieg muss nicht groß sein, aber er sollte konkret sein. Eine ausgewählte Produktgruppe, echte Daten, ein klares Datenmodell und eine erste digitale Ausspielung reichen aus, um wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Daraus entsteht Schritt für Schritt die Grundlage für Compliance, Transparenz und neue digitale Services.

Damit schließt sich der Kreis der Serie: Datenhoheit ist die strategische Grundlage, der Digitale Produktpass der sichtbare Touchpoint und der DPP-Pilot der pragmatische Weg in die Umsetzung. Unternehmen, die heute ihre Produktdaten strukturieren, bereiten sich nicht nur auf kommende Anforderungen vor. Sie schaffen die Grundlage, Produkte künftig besser zu erklären, vertrauenswürdiger zu machen und digital anschlussfähig zu halten.

Sie möchten mit einem konkreten DPP-Pilot starten? Die Produktdatenfabrik unterstützt Sie bei der Implementierung der CONTSULT-DPP-Plattform – von der Analyse Ihrer Produktdaten über Datenmodell, Inhalte und Medien bis zur strukturierten Ausspielung als Digitaler Produktpass.

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